Nun auch die ARD-Tagesschau:

Screenshot 16.09.2022

Während sich WDR-Quarks in merkwürdigen Rechnereien zum Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen ergeht, promotet die Tagesschau den Erfinder eines  Fernsehgerätes aus Simbabwe, welches nicht nur keinen Strom verbraucht, sondern sogar noch welchen erzeugt.

Ein ganz normaler Flachbildfernseher steht auf dem Tisch. Ein ganz normaler? Naja, nicht ganz: Das Stromkabel fehlt. Maxwell Chikumbutso hat das Gerät ausgeschaltet und erklärt: "Jetzt ist es ein Mikroschallgerät, das Energie generiert. Selbst wenn der Fernseher aus ist, können durch ihn andere Dinge mit Strom versorgt werden. Alles andere ist an, der Fernseher ist aber aus. In ihm ist eine Art Generator, an den man andere Elektrogeräte anschließen kann."

Interessant ist an dieser Stelle, daß durch die plastische Beschreibung der Eindruck entsteht, die ARD-Korrespondentin würde das Gerät direkt vor sich auf dem Tisch stehen sehen.

Betrieben wird der Fernseher - oder auch Generator - ausschließlich mit Funkwellen, sagt Chikumbotso. Er habe lange getüftelt, Materialien kombiniert, die es vor Ort in Simbabwe gibt, und das alles von Forschern aus den USA testen lassen. Sie hätten bestätigt, dass es tatsächlich funktioniert.

Wen da nicht schon die Schul-Physik etwas stutzig macht (→ Energieerhaltungssatz), findet mit Hilfe einer Suchmaschine sehr schnell heraus, daß der Mann absolut kein Unbekannter ist. Man hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, den Namen des Erfinders zu ändern:

Nachdem die Tagesschau (offenbar) von Nutzern darauf aufmerksam gemacht wurde, daß sie hier den reinen Unsinn verbreitet, wurde der Artikel stillschweigend wieder vom Netz genommen.

Daß das ausgerechnet jener Tagesschau unterläuft, die noch im April 2021 Ältere für besonders anfällig hält, mag noch als Ironie des Schicksals durchgehen. Auch sind Fehler nichts weiter als menschlich. Rechtschreibfehler, Zahlendreher, mißverständliche Formulierungen, … — passiert. Dumm gelaufen. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Geschenkt.

Hier steckt allerdings noch ein bisschen mehr dahinter:

Die Mär vom armen schwarzen Mann, der von den bösen weißen Rassisten unterdrückt wird. Im Muster nicht neu: Früher waren es immer die bösen Öl-Konzerne, die geniale Erfindungen aufgekauft und in ihren Schubladen haben verschwinden lassen, um ihre Profite nicht zu gefährden. Ein Klassiker der Verschwörungsmythologie, leicht abgwandelt, dem die Tagesschau hier auf den Leim gegangen ist.

Offenkundiger physikalischer Unfug, unterirdisch schlechte Recherche und zu allem Überfluß auch noch ein bisschen Verschwörungsgeschwätz?

Ja, so ist es. Eine Geschichte, so abstrus sie auch sein mag, wird völlig bedenkenlos als wahr akzeptiert, wenn sie nur in die eigene Erwartung, in die eigene Wahrheit paßt.

Auch die Tagesschau ist hiervor nicht gefeit.

Auch dann nicht, wenn sie der Tagesspiegel als Bollwerk gegen Fake News bejubelt. Eine Prise Bescheidenheit wäre manchmal mehr wert. Denn: Nach der Dummheit ist auch nur vor der (nächsten) Dummheit.

Screenshot 21.12.2022

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